Die Kultur will mehr Geld

Mannheims Schauspiel-Intendant Burkhard C. Kosminski hat einen Brandbrief geschrieben; das ist sein gutes Recht. Darin drückt er seine Sorge aus, „dass Kultur und Bildung den Stellenwert in unserer Gesellschaft verlieren, den sie über Hunderte von Jahren hatten“.

Weiter schreibt er (Nach einem Artikel der Rhein-Neckar-Zeitung):

„Die Kultur erlebt einen Bedeutungsschwund in erschreckendem Ausmaß; die öffentlichen Diskussionen sind von Fatalismus geprägt; die Demokratie scheint auf diese Herausforderungen nur schleppend zu reagieren.“

Ein Großteil der deutschen Stadttheater und damit ein großer Teil der Kultur stünden zur Disposition – ähnlich wie jetzt schon in Italien und Griechenland. Auch in anderen Bereichen fürchtet der Schauspiel-Intendant eine Erosion: „Zeitgleich mit dem Theatersterben erleben wir eine dramatische Krise der Printmedien. Das Zeitungssterben droht viel umfassender zu werden, als wir uns im Moment noch vormachen. Laut der Bundesagentur für Arbeit gab es in den vergangenen Jahren die größte Entlassungswelle in der Presse seit Kriegsende. Millionenverluste selbst bei den überregionalen Leitmedien haben zu Massenentlassungen, Einstellungsstopps oder zur Insolvenz wie bei der ,Frankfurter Rundschau‘ geführt. Theater, Kunst und Zeitung sind Refugien kritischer Selbstreflexion, ohne die es keine Meinungs- und Willensbildung geben kann, ohne die die Demokratie selbst ihren Wert verliert. Es macht mir Angst, dass gleichzeitig Theater und Zeitungen in dieser Weise bedroht sind.“

Die Gesellschaft bräuchte weiterhin gemeinsame Werte, die in den Städten diskutiert werden sollten. Solche Streiträume seien gelebte Demokratie und verhinderten radikale Strömungen. Kosminski schlägt nicht nur vor, den Solidaritätszuschlag zugunsten der Kultur umzuwidmen, sondern auch den Rundfunkbeitrag zugunsten der Printmedien: „Diese Steuer sollte kritischem Journalismus und der Medienvielfalt nutzen und nicht nur den Sendeanstalten und ihren Rentenempfängern. Ich fordere außerdem gemeinsam mit vielen anderen die Vertreter der Bundesregierung auf, alles dafür zu tun, damit die Kultur aus dem derzeit diskutierten Freihandelsabkommen mit den USA herausgelöst wird. Kultur ist keine Handelsware.“

Welche Konsequenz fordert Herr Kosminski? Er möchte den Solidaritätszuschlag, den die Deutsche mal bezahlen mussten um die Wiedervereinigung zu finanzieren, umwidmen um damit Ausgaben für Kultur und Bildung zu finanzieren. Mir fällt mal wieder die Sektsteuer ein, die von Kaiser Wilhelm II. für die Finanzierung der Deutschen Kriegsflotte eingeführt wurde. Der Kaiser ging, die Flotte ging, die Steuer blieb.

Grundsätzlich kann ich die Angst des Intendanten zwar verstehen, doch mehr als diese Angst sehe ich die Hybris eines Menschen, der sich und andere „kulturell“ Tätige als Pfeiler der Demokratie sieht, die es wohl seiner Meinung nach ohne Theater und Zeitungen nicht mehr geben würde. Aber das ist meiner Meinung nach schon lange nicht mehr so.

Zeitungen wurden und werden hauptsächlich zur Informationsbeschaffung genutzt. Das Feuilleton ist ein nettes Beiwerk, aber eben nur dies; das gilt auch für Kommentare in Zeitungen. Die Wichtigkeit von Zeitungen geht immer mehr zurück, da „reine“ Informationen weitaus billiger im Internet (oder per TV) erhalten werden können. Lokalzeitungen haben den Vorteil, dass die dortigen Infos weniger im Internet zu finden sind.
Ich frage mich dabei, wie denn die finanzielle Stützung der Zeitungen durch den Staat aussehen sollte: Hätten wir dann eine (oder vielleicht auch zwei) Staatszeitungen? Oder sollten die privaten Herausgeber direkt Staatsgeld erhalten?

Theater dürften schon länger nicht mehr der politischen Willensbildung dienen; diese Funktion hatte ihre Hochzeit wohl eher in der Antike. Hier sehe ich aber weniger das Problem der Geldverteilung, denn die Theater in Deutschland existieren schon lange fast nur von Subventionen. Auch wenn ich gerne (obwohl viel zu selten) Theatervorstellungen besuche, kann ich dort kaum sehen, dass sie für Meinungs- oder Willensbildung dienen – außer für Meinungen über die Art und Weise des aufgeführten Stoffes.

Pfosten als Konzept

Der Jungbusch hat ein Parkproblem – außer den vielen wichtigen Problemen dort ist nun auch dieses akuter geworden. Der Jungbusch ist zur Zeit ein Stadtviertel, in dem es Abends und Nachts hoch her geht, da dort eine Kneipenszene entstanden ist und auch viel „Kultur“ (wie auch immer) geboten wird. Es ist ein Stadtteil mit einem eigenen Reiz.

Nun könnten die dortigen Lokalbetreiber nicht bestehen, wenn sich nur die Anwohner in den diversen Lokationen treffen würden. Das passiert auch nicht, es kommen viele auswärtige Besucher. Diese benutzen überraschenderweise meist ein Auto.
Warum „überraschend“? Manchmal habe ich den Eindruck, dass manche Politiker sich darüber wundern, dass in der heutigen Zeit die Menschen noch das Auto benutzen und nicht das Fahrrad oder den ÖPNV. Wahrscheinlich eine Art ideologische Bewußtseinssperre, mit der das Gewünschte anstelle des Realen gesetzt wird.

Da nun in der Realität viele mit dem Auto in den Jungbusch kommen, wollen sie dort auch parken. Am besten ziemlich nah, wer läuft schon gern einige Kilometer? (oder steigt in den ÖPNV um zum Ziel zu gelangen). Das führt allerdings dazu, dass die dortige Parkplatzfläche nicht ausreicht, denn auch die Anwohner wollen ihre PKWs dort parken.
Was passiert nun? In den betroffenen Strassen werden die Gewege zugeparkt, es wird in zweiter Reihe geparkt und einige stellen die Warnblinkanlage an und parken auf diese Weise ziemlich lange.

Was macht die Stadtverwaltung? Sie will Pfosten aufstellen, um das Parken auf den Gehwegen zu verhindern.
Eine Lösung ist das nicht, denn dadurch wird nur das Parkraumangebot verringert – auch für die Anwohner. Eventuell parken dann einige ein paar Meter weiter in der Innenstadt; aber auch dort ist der Parkraum sehr begrenzt.
Ein schlüssiges Konzept sieht anders aus. Ich will hoffen, dass von Seiten der Verwaltung ein schlüssiges Konzept erstellt wird, dass sich auch an die Realitäten hält und berücksichtigt, dass nun mal eine solche Szene nur überleben kann, wenn Kunden auch zu den Lokationen kommen – auch mit dem Auto.

Tue Gutes … mit dem Geld von Anderen

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand etwas unternimmt um das Los von Menschen mit geringen Einkommen zu verbessern.
Dafür gibt es in Mannheim (wie auch anderswo) z. B. Vereine, die sich in diesem Bereich engagieren. Zu Recht erhalten diese Vereine Lob dafür.
Was aber oft übersehen wird ist die Tatsache, dass manche dieser Organisationen nur dadurch tätig werden können, wenn sie das Geld von Anderen verwenden. Das erhalten Sie meist als Spende.
Ein Verein in Mannheim will kostenlose Karten für Kunstveranstaltungen an Menschen mit geringem Einkommen verteilen und verwendet dafür Geld, dass er von der MVV und von einer Organisation des Landes erhält. Dieser Verein verteilt also Gelder des Staates (also Steuergelder) und einer Firma, deren Geschäftsgebaren durch einen Sprecher dieses Vereins starker Kritik ausgesetzt ist, da die MVV ein Kohlekraftwerk baut, was nicht im Sinne des grünen Vereinssprechers ist. Aber wahrscheinlich ist die Kohle, die durch die Kohle verdient wird, dann sauberer.

Kommunale Alltagspolitik

Wenn man sich politisch engagiert, kann es passieren, dass man in irgendein Amt berufen wird, sei es ein Ausschuss, ein Beirat oder sonst etwas. Ich z. B. wurde vor einigen Jahren zum Bezirkbeirat berufen.

Das kann durchaus Spass machen. Hat es auch … am Anfang. Aber mittlerweile frage ich mich wirklich, was verschiedene Mitglieder in einem solchen Gremium als Selbstbild haben.

Einigen merkt man an, dass sie sich sehr viel Zeit nehmen für die Tagesordnungspunkte. Das ist lobenswert, keine Frage. Aber muß man dann haarklein und sehr ausführlich (um nicht zu sagen „erschöpfend“) den jeweiligen Tagesordnungspunkt analysieren? Ein kurzes Statement mit eventuellen Bedenken oder Fragen würde vollauf ausreichen.
Schlimm ist es, wenn ein solches Verhalten mehrfach in einem Gremium vorhanden ist und jeder der Betroffenen seine Ergebnisse natürlich mitteilen will, die meist ähnlich oder gleich sind.

Bei anderen ist festzustellen, dass sie sehr bemüht sind, ihren jeweiligen weltanschaulichen Hintergrund zu verbreiten. Da kann ein verkaufsoffener Sonntag schon mal zu einer Anklage gegen den Kapitalismus (von Linker Seite) führen oder bei der Frage nach der Nutzung einer kleinen Grünanlage mehr Bürgerbeteiligung gefordert werden (weltanschaulich variabel – als Plebiszit, als „noch ein Beirat“?)

Vor Wahlen ist eventuell eine gewisse Anspannung spürbar. Da kann es dann schon sein, dass der Vorsitzende oder andere Mitglieder auf die Bemühungen der jeweiligen Partei eingeht und eventuell anwesende Bürger anspricht um seine Partei beliebter zu machen (natürlich indirekt).

Das Ganze führt zu einem sehr ermüdenden Prozedere. Ich kann es nicht verdenken, dass viele mit Engagement in solche Ausschüsse gehen um sehr schnell desillusioniert zu werden.

Trotzdem macht mir diese Arbeit irgendwie immer noch Spaß, muß ich zugeben. Vielleicht sollte ich anfangen, die jeweiligen Tagesordnungspunkte mehr zu analysieren und dann das Ergebnis meiner genialen Betrachtung haarklein … nur ein Scherz. Ich werde weiterhin gerne Mitglied sein, allerdings werde ich auch nicht in Zukunft lange Ausführungen zu Punkten machen, die sowieso klar sind.

Es darf nicht sein!

Wenn die Argumente ausgehen, was macht ein Fanatiker dann?
Jedenfalls wird es sich nicht von einem andern Standpunkt überzeugen lassen.

Was wird eher passieren?
Die Gegenargumente negieren (Was nicht sein kann, darf nicht sein)
Den Gegner marginalisieren oder lächerlich machen (geht mit der FDP ganz gut, da ist sie leider oftmals selbst schuld).
die beginnende innere Unsicherheit damit bekämpfen, Strategien zu überlegen, wie man die gegnerischen Standpunkte aushebeln kann.

Unter diesen Perspektiven kann man sich manche Argumentationsverläufe und Beiträge von Grünen-Politikern ansehen. Beispielsweise wird die Buga 2023 in Mannheim von der FDP und den Linken abgelehnt (sind ja nur Splitterparteien und ideologisch weit auseinander – witzig nicht?).