Liberale und die FDP, Liberale gegen die FDP

Ich bin seit mittlerweile 28 Jahren in der FDP (in der Zeit blieb mir an Hoch und Tiefs wenig erspart) und habe immer noch den Eindruck, dass es sich bei der Partei um eine liberale Partei handelt.

Dabei hat sich mein eigener Liberalismusbegriff gewandelt, ich habe das Gefühl er ist auf irgendeine Art „radikaler“ geworden, als er es anfänglich war. Das hat durchaus dazu geführt, dass ich manche Entscheidungen und Aussagen der Parteiführung sehr kritisch gesehen habe. Ich bin z. B. nicht mit der „Energiewende“ einverstanden, hielt auch die Entscheidung zum ESM für falsch, aber trotzdem hatte und habe ich das Gefühl, dass den meisten Personen in der FDP das Primat der Freiheit sehr viel bedeutet und auch beachtet wird, soweit dies möglich ist.
In der letzten Legislaturperiode war dieses Gefühl sehr oft erschüttert, dass sahen wohl auch viele Andere ebenso, das (ich muß sagen: leider verdiente) Ergebnis ist bekannt.

Ich hoffe, dass Herr Lindner und mit ihm die neue Führung es nun besser machen.

Nun gibt es Personen, die sich ebenfalls als Liberale oder Libertäre sehen und die die FDP vehement ablehnen. Meist lehnen sie die Partei nicht nur ab sondern bekämpfen sie auch noch als eine illiberale Täuschergruppe. Das ist eine Meinung und eine Vorgehensweise, die ich zwar zutiefst ablehne, aber trotzdem: Wer diese Meinung hat, soll sie eben haben, wir haben (noch so ziemlich) ein freies Land.

Trotzdem kann ich mir nicht verkneifen, solche Leute im Grunde nur als Sektierer zu sehen, die es nicht schaffen, eine relevante Größe zu werden. Keine dieser Kleinstgruppen hat es jemals geschafft, eine gewisse Zahl von Wählern anzusprechen – wobei ich vermute, dass dies auch nicht deren Absicht ist. Man fühlt sich wohl als Vertreter der „reinen Lehre“ (die man selbst definiert und mit irgendwelchen Klassikern unterfüttert), und das war es auch schon.

Das Internet als Sprachrohr von Allen für Alle ist das ideale Medium für diese Einzelpersonen oder Grüppchen, denn hier können sie sich äußern und damit an die Öffentlichkeit gehen … die das aber zu 99,99999 % nicht liest. Für Viele ist es dabei auch angenehm, dass sie ihre Meinung zwar öffentlich sagen können sich aber dabei nicht zu erkennen geben müssen.

Für mich ebenfalls interessant ist die Gruppe der ehemaligen FDP-Mitglieder, die im Internet aktiv sind. Irgendwann ausgetreten, agitieren sie vehement gegen die „Verräter der reinen Lehre“ die die FDP ihrer Meinung nach ist.
Allerdings ist mir kein Parteiverband bekannt, der durch den Austritt solcher Personen ernsthaft erschüttert wurde.